Wir bedauern es in gewisser Hinsicht, dass Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg zurückgetreten ist. Endlich hatten wir einen CDU-Politiker gefunden, der das repräsentiert, was wir jahrelang kritisieren und was für die bei uns praktizierte Demokratie so typisch ist: Unter dem Deckmantel vermeintlicher Werte wird ein Vertreter der Herrschenden (hier des Geldadels, reich geworden durch jahrhundertlange Raubzüge gegen die Armen des Landes), mit der allumfassenden Fürsprache von doppelzüngigen Politikern, heuchelnden Medien und gierigen Konzernherren wie ein Popstar nach oben gehimmelt . Und dabei hat er bei Licht gesehen nur das getan, was die tägliche Arbeit der Politiker und vieler Medien in Wirklichkeit ist: Betrügen, die Unwahrheit sagen, beschönigen . mit dem Ziel, dazu beizutragen, dass der untere Teil der Gesellschaft, die mies behandelten Rentner und die gebeutelten Arbeitnehmer für die Privilegien der Reichen und Mächtigen weiter bluten müssen (z.B. Bankenskandal). Und wenn es dabei mit hohem Geschick auch noch gelingt, Sympathien in der breiten Bevölkerung zu erwerben, ohne dass die Betroffenen bemerken, welchen Interessen sie eigentlich aufsitzen, dann gilt ein Guttenberg zwangsläufig als unverzichtbarer Polit- Pop-Star. Mit solchen Politikern fällt es leichter, über Tote in einem barbarischen Krieg am Hindukusch oder über das Schicksal von Hartz IV-Betroffenen hinwegzublenden. Man kann nur ein Betrüger und Lügner sein, um so etwas zu vollbringen. Weil er den Schein und die Entpolitisierung fast perfekt bediente, war der Adelige mit den vielen Vornamen in der CDU/CSU und in den Machteliten in Wirtschaft und Gesellschaft so wichtig und schwer ersetzbar. Für sie ist die Guttenberg – Betrugsaffäre ein Super-GAU. Deswegen jetzt das große Wehklagen und doppelbödige Gejammer. Mit dem Klau des Doktortitel hat Guttenberg vielen Menschen endlich einmal ungeschminkt und schlaglichtartig gezeigt – trotz der propagierten Glamour-Oberfläche – , aus welch düsteren Farben die Politik und Charakterqualität seiner Couleur in Wirklichkeit gemischt ist. Wegen der Klarheit und Wahrheit und aus pädagogischen Gründen hätten wir es lieber gesehen, wenn er uns dieses Bild ein wenig länger erhalten geblieben wäre Das hätte vielleicht noch mehr Menschen als bisher die Augen geöffnet.
Aus dem Satire-Magazin “Titanic” ein paar Stellungnahmen zum Rücktritt
“Ein Verteidigungsminister geht, eine Republik weint. Aber Tränen sind das Schmiermittel der Demokratie. Kanzlerin Merkel sollte achtgeben, nicht darauf auszurutschen.”
(Josef Joffe, ZEIT-Arbeiter)
“In Afghanistan sterben deutsche Soldaten, und was macht Guttenberg? Er tritt zurück! Mit Pietät hat das nichts mehr zu tun!”
(Sigmar Gabriel, Anti-Guttenberg-Mob)
“Gut, daß Sie mich informieren! Wir werden umgehend Mr. Guttenbergs Konten einfrieren lassen.”
Hillary Clinton, US-Tiefkühlministerin
“Schade um ihn. Wenn ich übrigens geahnt hätte, wie viele Fehler in Herrn Guttenbergs Dissertation stecken, hätte ich die Arbeit bestimmt mal gelesen.”
Peter Häberle, Doktorvater







