77 Beschäftigte müssen gehen
77 Beschäftigten wird bei Esselte/Leitz in Uelzen der Stuhl vor die Tür gestellt, nur weil der international agierende Konzern glaubt, in Polen billiger produzieren zu können. Profit statt Menschlichkeit. Und kaum jemand regt sich noch auf. Diskussionen darüber, warum Esselte noch vor kurzem öffentliche Gelder für Kurzarbeit beantragt hat, finden nicht statt. Über Ulla Schmidts Dienstwagen lässt es sich halt besser lamentieren.
Aber damit nicht genug: Esseltes Vorgehen zieht einen Rattenschwanz nach sich. Die “Lebenshilfe”, von Leitz-Aufträgen abhängig, kommt ebenfalls ins Trudeln. Absurde Problemlösungen sind im Gespräch: Mit Leiharbeit und Betriebsübergängen sollen angeblich Arbeitsplätze gerettet werden, Marktradikalität für einen gemeinnützigen Betrieb mit sozialem Hintergrund. Finstere Aussichten für die Beschäftigten.
Als LINKE haben wir keine allumfassenden Patentrezepte, dafür brauchen wir noch viele Diskussionen. Wogegen wir uns aber jetzt schon wehren, ist die Gleichgültigkeit, mit der die Schicksale der Beschäftigten behandelt werden. Es kann nicht sein, dass die Betriebsbelegschaft als schwächstes Glied in der Kette durch Kündigungen allein die Folgen des Profitstrebens von Esselte zu tragen hat und viele der Betroffenen auf Sicht in die unmenschliche Hartz IV-Tonne geworfen werden. Hartz IV, das garantieren wir, würde bei uns verschwinden.
Zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist ein wichtiges Instrument fast völlig aus der Diskussion verschwunden: Die flächendeckende Arbeitszeitverkürzung. Nach allen fehlgeschlagenen Projekten der Arbeitsplatzsicherung – mit denen CDU, SPD und FDP hausieren gingen – ist es an der Zeit diese Diskussion nun neu zu beleben. Es ist fast eine Milchmädchenrechnung: Nur eine Verteilung der vorhandenen knappen Arbeit auf viele Schultern kann Erleichterungen bringen. Es ist blanker Unsinn, wenn über 30 Mio Beschäftigte in Deutschland wöchentlich 42,5 Stunden arbeiten müssen, während fünf Millionen arbeitslos bleiben.




