Lobbyismus und Gesetzgebung

26. August 2009  Aktuell, Themen, Uelzen


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Unfähig und abhängig


Die SPD-Direktkandidatin Kerstin Lühmann hat auf der Podiumsdiskussion in Uelzen am 18.8.2009 Lobbyismus im Bundestag insoweit begrüßt, als er auf den Einfluss von Gewerkschaften beschränkt bleibt, ein Wunsch, der von ihrem Parteigenossen Gerhard Schröder schon vor geraumer Zeit auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen wurde. Der begann damit, die Gewerkschaften völlig zu negieren und stattdessen interessengebundenen Lobbyisten den unmittelbaren Weg in das Parlament zu ebnen. Der Uelzener Genosse Peter Struck, immerhin Fraktionsvorsitzender der SPD, hat daran nie etwas geändert, er hat es nicht einmal hinbekommen, den Genossen Rüstungslobbyisten Kahrs aus Hamburg zu stoppen, der von Rheinmetall gigantische Parteispenden für seine Lobbyarbeit erhalten hat.

Kürzlich ging groß durch die Medien, dass die international agierende Anwaltskanzlei Linklaters im Auftrag von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einen Gesetzesentwurf zur staatlichen Zwangsverwaltung maroder Banken ausgearbeitet hat.

Lobbycontrol dazu: Aus unserer Sicht müssen Gesetze von den demokratisch legitimierten Institutionen geschrieben werden. Kanzleien, die ansonsten für genau die Unternehmen arbeiten, die von den Gesetzen betroffen sind, sind nicht die richtige Adresse, um die verschiedenen gesellschaftlichen Interessen zu berücksichtigen und abzuwägen.

Angestoßen wurde die Diskussion durch eine Anfrage der LINKEN im Bundestag, in der das ganze Ausmass der Unfähigkeit der Abgeordneten und der Regierung deutlich wurde. Nicht einmal bei überschaubaren und simplen Gesetzesvorhaben wie dem Personalausweisgesetz konnte man auf bezahlte Hilfe von externen Gehilfen verzichten. 103 000 Euro wurde dafür locker gemacht. Beim Gesetzentwurf zum Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Dänemark über eine Feste Fehmarnbeltquerung zahlten Merkel/Steinmeier und Co. gar 150 000 Euro. Die Liste ist lang und zeigt die qualitative Unfähigkeit der Mitglieder der Großen Koalition. Insgesamt hat die Bundesregierung in der 16. Wahlperiode bei 17 Gesetz- und Verordnungsentwürfen zu ihrer Unterstützung vertraglich vereinbarte Beratungsleistungen in Anspruch genommen. Hierfür wurden unter Berücksichtigung der genannten Einschränkungen die im Folgenden genannten Honorare gezahlt.

Die Liste der Bezahl-Entwürfe

Presseerklärung: Jörg Firus nicht tragbar

23. August 2009  Aktuell, Pressemitteilungen, Uelzen

images2Schluss mit dem Uelzener Filz

Die LINKE im Kreisverband Uelzen fordert SPD, CDU und FDP auf, in der Angelegenheit Jörg Firus die gesetzlichen Grundlagen einzuhalten und zusammen mit den Grünen zu beschließen, dass

der stellvertretende Uelzener Bürgermeister Firus durch den Verlust des Lebensmittelpunktes in Uelzen, seine Stadtratsämter aufzugeben hat. Mit dieser Maßnahme könnte nach dem CDU-Teppe-Skandal ein Teil des verloren gegangenen Vetrauens in die Uelzener Kommunalpolitik wiederhergestellt werden. Dass auch die oppositionelle CDU dem Gefälligkeitsgutachten des ersten Stadtrates A. Riggert folgen will, zeigt mit hinreichender Deutlichkeit, wie stark die Uelzener Kommunalpolitik vom gemeinsamen Filz beherrscht wird.

Wir als LINKE begrüßen die Haltung der Grünen, die diesen Zuständen eine Absage erteilen wollen. Sollte die Mehrheit des Stadtrates Firus trotz eindeutiger Rechtslage ein Alibi verschaffen, gehen wir davon aus, dass die Grünen eine Klage beim Verwaltungsgericht im Rahmen der Niedersächsischen Gemeindeordnung (NGO) erheben werden.

Stadthalle Uelzen: Parteien zur Wahl

19. August 2009  Aktuell, Uelzen, Veranstaltungen

Kandidaten klGäste bei Ver.di: Glänzen wollten sie alle

Der DGB und der Ver.di Vorsitzende Ernst Licht hatten am 18.8.2009 zur Podiumsdiskussion der Bundestagsdirektkandidaten aus dem Wahlkreis Uelzen/Celle eingeladen. Die Kandidaten von SPD, Grünen, SPD und der LINKEN fanden sich zu einer gut besuchten Veranstaltung in der Stadthalle ein. Der Direktkandidat Henning Otte von der CDU hatte abgesagt.

Und alle versuchten, sich volksnah und basisverbunden zu präsentieren. Der Kandidat der FDP, Ralf Überheim hatte es am schwersten, in der Höhle des Löwen zu überzeugen, vor einem Publikum, das überwiegend der Gewerkschaftsszene zuzurechnen war. Seine Ausführen über Leistung, Konkurrenz, Steuererleichterungen und Betriebsräte kamen nicht so recht rüber. Dennoch, sein Mut und die offene Art, sich einer Gewerkschaftsveranstaltung zu stellen, hob ihn wohltuend von der Aufgeblasenheit seiner Parteispitze um Westerwelle ab.

Frau Sabine Brunke-Reubold, Grüne, Betriebswirtin, persönlich sympathisch, wartete mit vielen Detail-Ideen auf: Der grundsätzliche Erhalt der Rente ab 67, ein Mindestlohn von 7,50 €, andere Zumutbarkeitsregelungen bei Hartz IV, Bürgergeld für alle, die energetische Unterstützung des Mittelstandes und einiges von dem, was die LINKE schon in der letzten Legislaturperiode im Bundestag vergeblich gefordert hatte, z.B. die Erhöhung der Einkommensteuer.

Für die SPD hielt Frau Kerstin Lühmann, Ex-Pressesprecherin der Polizei in Gorleben, die Fahne hoch. Rhetorisch gut geschult, spulte sie als Forderung alles runter, was die SPD in den letzten Jahren im Bundestag versäumt hat oder was bereits auf der Forderungsagenda der LINKEN seit geraumer Zeit steht: Keine weitere Privatisierung im Öffentlichen Dienst, Ausschluss von Leiharbeit, keine Aufstocker, Einführung einer Börsenumsatzsteuer, Austrocknen von Steueroasen, mehr Steuerfahnder uvam.

Enrico Schülbe von der LINKEN, erst seit kurzem politisch aktiv, stellte aus seiner persönlichen Sicht – und damit sehr authentisch – dar, warum ein Politikwechsel notwendig ist.Gäste ver.di2

Er knüpfte an seine täglichen Erfahrungen als Busfahrer an, die ihm das Leben oft unerträglich erschweren: Überlange Arbeitszeiten, die relative Rechtlosigkeit als Leiharbeitnehmer, geringer Lohn, lange Fahrtwege, Angst vor Arbeitsplatzverlust, erhebliche gesundheitliche Kostenbelastungen durch Praxisgebühren und Medikamentenzuzahlung, hohe Ausgaben für Schulbücher und Lehrmittel für den Sohn. Er forderte „Weg mit Hartz IV“, die Senkung des Rentenalters, eine grundsätzliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Einführung eines Mindestlohnes von 10 €, die Unterstützung von Familien mit geringem Einkommen. Zur Finanzierung sollen die herangezogen werden, die finanziell dazu auch in der Lage sind und nicht – wie bisher – die Arbeitnehmer, Rentner und sozial Schwachen.

Ernst Licht dankte unter Beifall den Kandidatinnen und Kandidaten für die Diskussion. Die Gäste forderte er auf, sich an den Bundestagswahlen zu beteiligen.

Gigantische Finanzlöcher

18. August 2009  Aktuell, Themen

geld

Mauer des Schweigens

Sie gehen busenwackelnd auf Wahlkampftour, versprechen dem Volk Steuererleichterungen, häufen gigantische Schulden für marode und gescheiterte Unternehmen auf und erklären den Bürgern nicht einmal ansatzweise, wie ihre Problemlösung für die Entsorgung dieses Scherbenhaufens aussehen könnte. Wahrscheinlich, weil sie es selber nicht wissen.

Der scheidende Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer (CDU) hat es nach über 30 Jahren Bundestagszugehörigkeit treffend erkannt: „Der Bundestag ist anders geworden… Im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise muss man sich ernsthaft fragen, ob die Probleme von Regierung und Parlament überhaupt noch beurteilt werden können.”

In Niedersachsen ist es nicht anders. Christian Wulff tönte vor nicht allzu langer Zeit: “Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.” Mehr als Sprüche waren das nicht. Jetzt steht fest, dass 4,6 MRD € an weiteren Krediten aufgenommen werden, die Steuerausfälle wurden auf 3,6 MRD beziffert.„Man fühlt sich ganz schlecht. Ich hätte fast gesagt: beschissen. Man sitzt machtlos davor. Das macht keinen Spaß,“ lamentierte der sonst so forsche Finanzminister Möllring.

Wie der Schuldenberg abgetragen werden soll, verschwiegen Wulff und seine Truppe. Der Ministerpräsident versprach zwar “eine eindrucksvolle Konsolidierungspolitik“ – aber erst, sobald die Wirtschaftskrise beendet ist.

Im Klartext heißt das: Wartet die Bundestagswahlen ab, danach – wenn ihr uns wieder schön gewählt habt – werden wir Euch die Rechnung präsentieren. Und die heisst: Verbrauchssteuererhöhungen und weiterer Sozialabbau.

Es wirkt wie ein Schweigeabkommen unter Politikern von CDU, SPD und FDP. Sie geben keine Antwort auf die zentrale Zukunftsfrage nach finanzieller Sicherheit. “Es ist gespenstisch, wie wenig bisher im Bundestagswahlkampf über die Milliardenlöcher geredet wird, die die Wirtschaftskrise überall reißen wird,” beklagt das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. “Wir fordern die Parteien auf, ihr Stillschweigeabkommen zu brechen und vor der Wahl klarzumachen, wie die Belastungen geschultert werden sollen.”

Eigentlich ist es Aufgabe der Medien, dieser Forderung des DGB nachzukommen.

Aber bei denen herrscht ebenfalls Funkstille. Es könnte ja sein, dass man die Lieblinge von Schwarz und Gelb in den Wahlaussichten gefährden könnte. Freiheit der Presse: Die Freiheit einer Handvoll von Verlegern und ihrem Millionärsanhang, die insbesondere bei den Schwarz/Gelben weitere Geschenke und Privilegien erwarten können.

CDU auf Model-Tour

17. August 2009  Aktuell, Themen

vera-lengsfeld-tnDekolletés im Bundestagwahlkampf

Wahlkampf bis auf die Haut. Vera Lengsfeld und die Noch-Kanzlerin Angelika Merkel haben ihren Busen als Wahlkampfwaffe entdeckt. Oder waren es männliche Fotografen, die den beiden den Weg zum erotischen Touch zeigten? Im Berliner Kiez kandidiert die 57jährige Ex-DDRlerin Vera Lengsfeld für das Hohe Haus. Erotik ist besser als nüchternerWahlkampf: „…ich musste mir etwas einfallen lassen, um in Friedrichshain-Kreuzberg überhaupt wahrgenommen zu werden. Wenn man nicht viel Geld für den Wahlkampf hat, dann ist man auf gute Ideen angewiesen.“ Immerhin: Von einer Vorzeige-Dissidentin aus der DDR zum Busenstar der CDU, das macht ihr so schnell niemand nach. Ihren Wahlkampfgag hat die CDU-Politikerin Lengsfeld weder mit den Gremien der Landes- noch der Bundespartei abgesprochen, nach dem Grundsatz: Einmal Dissidentin, immer Dissidentin.vera-lengsfeld Ein Wähler zeigte seinen Unmut. Auf der Webseite von Frau Lengsfeld schrieb er kurz und bündig: „Schlampenplakat“.