Hintergründe
Im Tarifkonflikt mit der Bahnbranche hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL heute erfolgreich die sechs großen privaten Verkehrsunternehmen bestreikt. Betroffen waren unter anderem die Verbindungen des Metronom. Zwischen Göttingen, Hamburg und Cuxhaven sind nur einzelne Züge gefahren. Gut so.
Der Grund der Streiks: Die bei der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) organisierten Beschäftigten akzeptieren nicht, dass die privaten Eisenbahnunternehmen ihre Interessen total negieren. „Die immer stärkere Streikbeteiligung unserer Mitglieder – so der GDL-Vorsitzende Weselsky – zeigt klar, dass Wettbewerb über die Lohnkosten nicht länger auf dem Rücken der Lokomotivführer ausgetragen werden kann.“
Eine besonders unrühmliche Rolle bei den Tarifauseinandersetzungen hatte unser Uelzener Ex-Bundestagsabgeordnete Peter Struck abgeliefert, als er sich als Schlichter im Tarifstreit zwischen der Bahn und den Lokführern ins Gespräch brachte. Sehr zum Unwillen der Gewerkschafter. Man vergisst es so schnell, aber Fakt ist: Struck gehörte zu den SPD-Spitzenpolitikern, die zusammen mit dem Ex-Chef Mehdorn alles daran setzte, die jahrzehntelang bewährte Deutsche Bahn zu privatisieren. Das Ergebnis: Hunderttausende zerstörte Arbeitsplätze, unzählige Fahrpreiserhöhungen, Zugverspätungen bei allen denkbaren Gelegenheiten, erbitterte Streikauseinandersetzungen zum Erhalt der Arbeitsbedingungen bei der Bahn. Als die Lokführer das Spiel der Eisenbahnergewerkschaft Transnet unter ihrem korumpierten Vorsitzenden Norbert Hansen (er wechselte in den hochbezahlten Vorstand der Bahn) nicht mehr mitmachen wollten und 2007 für einen eigenständigen Tarifvertrag kämpften, stellte sich Dr. Struck unmissverständlich gegen sie: “Ich stehe klar auf der Seite von Bahnchef (Hartmut) Mehdorn und dem Transnet-Vorsitzenden (Norbert) Hansen, dass es keinen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer geben kann“, sagte er damals dem Springerblatt “Bild am Sonntag.”
Dass sich seine Vorstellungen über den Schutz von Tarifverträgen kaum geändert haben, stellte er jetzt erneut als Polit-Rentner unter Beweis :
Als Schlichter der Tarifverhandlungen zwischen der früheren Transnet-Gewerkschaft EVG und der Arbeitgeberseite um einen Branchentarifvertrag stand er wieder auf der falschen Seite und befürwortete einen Abschluss, der die weitere Dominanz der Arbeitgeber sicherstellte. Experten betonen, dass die Arbeitgeber bei einigen kleineren Zugeständnissen folgende Vorteile erreichten:
* Verhinderung eines tariflichen Weiterbeschäftigungsanspruchs bei einem Betreiberwechsel,
* Tarifierung unter dem Entgeltniveau des Marktführers,
* Möglichkeit zur tariflichen Verschlechterung heute existierender Arbeitszeitbestimmungen und
* Verhinderung der Tarifierung einer Absicherung beim Verlust der Fahrdiensttauglichkeit.
Es soll nach Angaben der SPD-hörigen obersten Gewerkschaftsfunktionäre der EVG ein “Jahrhundertwerk” sein, was da ausgehandelt wurde. Dass Peter Struck nun in den Bundesländern betteln geht, um bei den Politikern die Unterstützung zur wirksamen Umsetzung des Tarifvertrages bei künftigen Bahnausschreibungen zu erheischen, zeigt welchem gefährlichen Spiel die Eisenbahner ausgesetzt sind.
Die Lokführer und ihre kleine Gewerkschaft GDL durchschauen das Spiel und setzen auf ihre Streikkraft: Sie wollen keine faulen Kompromisse, sondern den wirksamen Schutz ihrer Mitglieder. Mit Peter Struck als Schlichter? Den ehemaligen Verteidigungsminister lehnt die GDL strikt ab. Sie begründet dies u.a. damit, dass sich die SPD insgesamt und insbesondere Herr Struck bereits im November 2007 klar und deutlich gegen einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokomotivführer gestellt haben.
Sie haben recht: Was soll man mit einem Sozialdemokraten, der dafür mitverantwortlich ist, dass vielen Eisenbahnern das Grab geschaufelt wurde, jemand, der offensichtlich fast schon zwanghaft das Geschäft der anderen Seite besorgt.