Veranstaltungen

65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus

10. Mai 2010  Aktuell, Themen, Uelzen, Veranstaltungen

Bürger diskutieren über Nazi-Straßen in Uelzen

Der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigte sich in diesem Jahr für die Uelzener in widersprüchlicher Bandbreite.
Die Kanzlerin weilte in Moskau und feierte dort auf dem Roten Platz vor einer gigantischen Militärparade der Alliierten den 65. Jahrestages des Sieges (vor allem der Sowjetunion) über Hitler, seine Mörder, Mittäter und Mitläufer. Eine vergleichbare Geste hat es bisher noch von keinem deutschen Kanzler gegeben: Hut ab.
Landrat Elster gedachte in der französischen Gemeinde Bois-Guillaume (Normandie) im Rahmen der internationalen Partnerschaft dem „65. Jahrestag der Kapitulation“, wie der 8. Mai seit Kriegsende in der Bundesrepublik im allgemeinen Sprachgebrauch heisst.
Die Stadt Uelzen hatte dagegen zum Jubiläumstag offiziell nichts aufzubieten. Leider.
Anders dagegen die Initiative „Keine Nazi-Straßen in Uelzen“. Sie nahm den 8. Mai zum Anlass, im „Hotel zur Eiche“ eine sehr gut besuchte Diskussionsveranstaltung zum Thema „Umbenennung der Farina- und Seebohmstraße“ durchzuführen. Peter Asmussen (Vereinigung er Verfolgten des Naziregimes), Dr. Manfred Sohn (Vorsitzender der Fraktion der Linken im Landtag), Dr. Reimer Egge (Stadtarchiv der Stadt Uelzen) und Karin Herrmann (Stadträtin der Grünen) begründeten – unter der Diskussionsleitung von Thomas Martin (NDR, Landesfunkhaus Niedersachsen) – mit überzeugenden Argumenten die notwendige Umbenennung der Straßen. Peter Asmussen zitierte aus bisher nicht bekannten Gestapo-Akten, die belegen, dass Farina viel tiefer in das Nazi-Unrecht verwickelt war, als bisher angenommen. Bei der Ermordung eines polnischen Zwangsarbeiters vor den Augen seiner ebenfalls zwangsverpflichteten Landsleute hatte Farina mit seiner Uelzener Polizei im Januar 1943 logistische Unterstützung gegeben. Auch die unsägliche Rolle von Hans-Christoph Seebohm wurde diskutiert und von Eckehard Niemann ergänzend dokumentiert.

Die Grußbotschaften prominenter Bürger (Rolf Becker, Prof. Lea Rosh, Peggy Parnass und Esther Bejarano) rundeten das positive Bild der Veranstaltung ab.

Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Uelzen die Anregung des Sprechers der Initiative, Friedhelm Klinkhammer, aufgreift und den Tag der Befreiung zukünftig in ähnlichem Rahmen wie den 9. November (Pogromnacht) begeht.

Einblicke in eine Studie

12. November 2009  Aktuell, Uelzen, Veranstaltungen

Dr. M. KopatzDr. Michael Kopatz: “Zukunftsfähiges Deutschland”


Die Bürgerinitiative “Zukunftsfähiges Deutschland in Uelzen”, unterstützt durch BUND (Uelzen). Nabu (Uelzen), Verkehrsclub Deutschland Region LG, UE, DAN hatte zu einem Vortrag mit dem Thema “Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt” eingeladen.

Klimawandel, Hungerkrise, Rohstoffknappheit und Naturzerstörung bestimmen die internationale Realität und zwingen Deutschland und die Welt zu tiefgreifenden Veränderungen. Dennoch geht vieles im alten Trott weiter: Für Flughäfen werden neue Start- und Landebahnen geplant, Trassen zerstören ganze Landschaften, Klimaziele werden nur halbherzig verfolgt, die alten Wachstumsziele werden weiterhin beschworen, Konsumartikel aus Billiglohnländern genießen trotz der damit verbundenen Ausbeutung Vorrang. Prof. Burmeier und Dr. Kopatz
In einem ebenso anschaulichen wie spannenden Vortrag skizzierte Michael Kopatz vom “Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie den möglichen und notwendigen Kurswechsel zu einer nachhaltigen Politik. “Wir wissen immer mehr und hinken in den Problemlösungen immer hinterher. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über die Zukunft unseres Landes in einer globalisierten Welt.” Infrage gestellt wurde der Glaube in die Wachstumspolitik, allein schon die . begrenzten Energieressourcen zwingen zu grundsätzlichem Umdenken. Das Projekt der Zukunftsfähigkeit setzt eine Politik der sozialen Teilhabe voraus. Und die ist kaum möglich, wenn es nicht gelingt, die Arbeit gerechter als bisher zu verteilen, um die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Kernstück eines Überganges zu einer verträglichen Wirtschaft ist der Wechsel der Ressourcenbasis. Ernergien und Stoffe solaren Ursprungs werden solche fossilen Ursprungs ablösen müssen. Die Politik ist aufgefordert, das Primat der Politik wieder zu übernehmen und die Wirtschaft nicht dem bisherigen laisser- faire der Kräfte zu überlassen.
Mit einer Vielzahl von Beispielen zeigte Michael Kopatz auf, wo es Handlungszwänge und Lösungsmöglichkeiten gibt.
Im Anschluss an sein Referat gab es viele Fragen und Statements aus dem Kreis der sehr zahlreich erschienenen Uelzener Gäste. Professor Burmeier von der Suderburger Hochschule übernahm die Moderation.
Buchausgabe
Grundlage des Referates war die Studie “Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt”, Fischer Taschenbuchverlag 2009, 650 Seiten, Preis 14,95€.

71. Jahrestag der Pogromnacht

09. November 2009  Aktuell, Uelzen, Veranstaltungen

Dotschy ReinhardtDotschy Reinhardt auf Uelzener Gedenkveranstaltung

Auch in diesem Jahr erinnerte die Stadt Uelzen mit einer Feier an die Pogromnacht des 9.11.1938. Vor 71 Jahren hatten Nazis, mit Unterstützung der Bevölkerung, in ganz Deutschland Geschäfte und Synagogen in Brand gesetzt, Wohnungen jüdischer Bürger demoliert und ihre Bewohner misshandelt. Mindestens 91 wurden in dieser Nacht ermordet. Es war der Auftakt zur völligen Entrechtung und systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland.

Zu “Volks- und Reichsfeinden” gehörten im NS-Regime neben Juden vor allem “Zigeuner”. Die sich selbst Sinti und Roma nennende Bevölkerungsgruppe war Schikanen ausgesetzt und wurde von den Nationalsozialisten ab 1933 schrittweise ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Alle Maßnahmen gegen Juden wurden auch auf Sinti und Roma angewandt. Sie wurden in KZ und spezielle Lager verschleppt, wo sie qualvoll lebten oder brutal vernichtet wurden.Insgesamt fielen zwischen 220.000 und 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der Nationalsozialisten und dem an ihnen systematisch geplanten Völkermord zum Opfer.Reinhardt und Wagner Uelzen
Mit der Jazz-Musikerin Dotschy Reinhardt (34) hatte die Stadt am Montag eine Künstlerin als Gast eingeladen, die in ihrem Buch „Gypsy – die Geschichte einer großen Sinti Familie“ mit den Vorurteilen gegenüber ihrem Volk abgerechnet hat. Dotschy Reinhardt kommt aus der großen Familie des Musikers Django Reinhardt, dem bekanntesten Vertreter der großen Jazzdynastie. Die junge Frau ist Sinteza, eine Angehörige des Volkes der Sinti, das seit sechs Jahrhunderten in Deutschland lebt und wenige Höhen und viele Tiefen durchleiden musste. Von dieser Welt handelt Dotschys Buch. Vom Universum der Sinti und Roma, wie es einmal war und wie es heute ist, gleich um die Ecke, unerkannt, irgendwo in Deutschland und überall in Europa, wo ein Sinto diese große, schillernde Welt im Herzen trägt. Sie las aus verschiedenen Kapiteln ihres Buches: Vom Leid ihrer Familie, ihrer Heirat, ihrer Musik. Mit dem Guitaristen Alexej Wagner präsentierte sie dann von ihren beiden Alben “Sprinkled Eyes“ und “Suni” Songs wie “Djangology” und “suni” in englisch und in der Sprache der Romanes. Keine Frage: Die Veranstaltung kam an Die zahlreichen Besucher im Rathaussaal dankten mit großem Beifall.

Kündigungen bei Esselte/Leitz

10. September 2009  Aktuell, Themen, Uelzen, Veranstaltungen

Ursula Weisser-RoelleArbeitnehmer sind Menschen, keine Blumentöpfe

Die LINKE des Kreises Uelzen hatte am 9.9.2009 zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Stadthalle eingeladen. Thema: 77 Kündigungen bei Esselte/Leitz am Standort Uelzen.
Beschäftigte und interessierte Uelzener Bürger und Bürgerinnen kamen, um über die derzeitige Situation zu diskutieren. Gekommen war auch die Landtagsabgeordnete der LINKEN, Ursula Weisser-Roelle, aus Hannover.
Wie es sich schon jetzt abzeichnet, wird Esselte/Leitz, ein weltweit agierender „Heuschrecken“-Konzern, die Kündigungen durchsetzen, ohne Rücksicht auf die fundamentalen Interessen der betroffenen Beschäftigten. Weitgehendes Unverständnis bestand darüber, dass die Politik trotz vieler Sprüche keinerlei Maßnahmen ergriffen hat, Konzerne daran zu hindern, Standorte in Lohndumping-Länder zu verlagern, vor allem dann, wenn es – wie in Uelzen – allein darum geht,
Profitmaximierung zu betreiben.
Den Konzernen werde es leicht gemacht, ihre Arbeitsplatzvernichtung relativ geräuschlos durchzuführen, weil Kündigungen auf Raten dazu führten, zunächst nicht betroffene Beschäftigte vorübergehend ruhig zu stellen. Die fehlende Reaktion der Öffentlichkeit und das Abtauchen der Politiker förderten diese Tendenz. In Uelzen hätte es von den politischen Mandatsträgern so gut wie keine Reaktion gegenüber den von Kündigung bedrohten Kolleginnen und Kollegen gegeben, obwohl alle Parteien „Arbeitsplatzschaffung“ im Wahlkampf als wichtigstes Ziel zu verkaufen suchen. Unterstützung gab es bisher nur vom DGB und von Ver.di.

Mitbestimmung, gesetzliche Regelungen gegenüber der Willkür der Konzerne und die umfassende soziale Absicherung von Beschäftigten bei Kündigungen seien wichtige Schritte, um wieder Vertrauen in die Politik zu finden. „Arbeitnehmer sind Menschen und keine Blumentöpfe“, hieß es zutreffend. Es könne nicht angehen, Arbeitsplätze ungehindert zu vernichten und damit auch die Chance auf angemessene Rentenerwartungen für alle Beschäftigten zu beschränken.

Ursula Weisser-Rolle wies darauf hin, dass den Landespolitikern der LINKEN derzeit keine politischen Mittel zur Verfügung stünden, das infrage stehende Konzernverhalten zu unterbinden.
Sie versprach, alles zu unternehmen, um durch entsprechende parlamentarische Maßnahmen, das Esselte-Problem in das Bewusstsein vieler Abgeordneten bringen, um den allgemeinen Regelungsbedarf für Beschäftigte in vergleichbaren Fällen deutlich zu machen. Sie bot ihre Zusammenarbeit auch über den Wahltag hinaus an.


Stadthalle Uelzen: Parteien zur Wahl

19. August 2009  Aktuell, Uelzen, Veranstaltungen

Kandidaten klGäste bei Ver.di: Glänzen wollten sie alle

Der DGB und der Ver.di Vorsitzende Ernst Licht hatten am 18.8.2009 zur Podiumsdiskussion der Bundestagsdirektkandidaten aus dem Wahlkreis Uelzen/Celle eingeladen. Die Kandidaten von SPD, Grünen, SPD und der LINKEN fanden sich zu einer gut besuchten Veranstaltung in der Stadthalle ein. Der Direktkandidat Henning Otte von der CDU hatte abgesagt.

Und alle versuchten, sich volksnah und basisverbunden zu präsentieren. Der Kandidat der FDP, Ralf Überheim hatte es am schwersten, in der Höhle des Löwen zu überzeugen, vor einem Publikum, das überwiegend der Gewerkschaftsszene zuzurechnen war. Seine Ausführen über Leistung, Konkurrenz, Steuererleichterungen und Betriebsräte kamen nicht so recht rüber. Dennoch, sein Mut und die offene Art, sich einer Gewerkschaftsveranstaltung zu stellen, hob ihn wohltuend von der Aufgeblasenheit seiner Parteispitze um Westerwelle ab.

Frau Sabine Brunke-Reubold, Grüne, Betriebswirtin, persönlich sympathisch, wartete mit vielen Detail-Ideen auf: Der grundsätzliche Erhalt der Rente ab 67, ein Mindestlohn von 7,50 €, andere Zumutbarkeitsregelungen bei Hartz IV, Bürgergeld für alle, die energetische Unterstützung des Mittelstandes und einiges von dem, was die LINKE schon in der letzten Legislaturperiode im Bundestag vergeblich gefordert hatte, z.B. die Erhöhung der Einkommensteuer.

Für die SPD hielt Frau Kerstin Lühmann, Ex-Pressesprecherin der Polizei in Gorleben, die Fahne hoch. Rhetorisch gut geschult, spulte sie als Forderung alles runter, was die SPD in den letzten Jahren im Bundestag versäumt hat oder was bereits auf der Forderungsagenda der LINKEN seit geraumer Zeit steht: Keine weitere Privatisierung im Öffentlichen Dienst, Ausschluss von Leiharbeit, keine Aufstocker, Einführung einer Börsenumsatzsteuer, Austrocknen von Steueroasen, mehr Steuerfahnder uvam.

Enrico Schülbe von der LINKEN, erst seit kurzem politisch aktiv, stellte aus seiner persönlichen Sicht – und damit sehr authentisch – dar, warum ein Politikwechsel notwendig ist.Gäste ver.di2

Er knüpfte an seine täglichen Erfahrungen als Busfahrer an, die ihm das Leben oft unerträglich erschweren: Überlange Arbeitszeiten, die relative Rechtlosigkeit als Leiharbeitnehmer, geringer Lohn, lange Fahrtwege, Angst vor Arbeitsplatzverlust, erhebliche gesundheitliche Kostenbelastungen durch Praxisgebühren und Medikamentenzuzahlung, hohe Ausgaben für Schulbücher und Lehrmittel für den Sohn. Er forderte „Weg mit Hartz IV“, die Senkung des Rentenalters, eine grundsätzliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Einführung eines Mindestlohnes von 10 €, die Unterstützung von Familien mit geringem Einkommen. Zur Finanzierung sollen die herangezogen werden, die finanziell dazu auch in der Lage sind und nicht – wie bisher – die Arbeitnehmer, Rentner und sozial Schwachen.

Ernst Licht dankte unter Beifall den Kandidatinnen und Kandidaten für die Diskussion. Die Gäste forderte er auf, sich an den Bundestagswahlen zu beteiligen.