Bürger diskutieren über Nazi-Straßen in Uelzen
Der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zeigte sich in diesem Jahr für die Uelzener in widersprüchlicher Bandbreite.
Die Kanzlerin weilte in Moskau und feierte dort auf dem Roten Platz vor einer gigantischen Militärparade der Alliierten den 65. Jahrestages des Sieges (vor allem der Sowjetunion) über Hitler, seine Mörder, Mittäter und Mitläufer. Eine vergleichbare Geste hat es bisher noch von keinem deutschen Kanzler gegeben: Hut ab.
Landrat Elster gedachte in der französischen Gemeinde Bois-Guillaume (Normandie) im Rahmen der internationalen Partnerschaft dem „65. Jahrestag der Kapitulation“, wie der 8. Mai seit Kriegsende in der Bundesrepublik im allgemeinen Sprachgebrauch heisst.
Die Stadt Uelzen hatte dagegen zum Jubiläumstag offiziell nichts aufzubieten. Leider.
Anders dagegen die Initiative „Keine Nazi-Straßen in Uelzen“. Sie nahm den 8. Mai zum Anlass, im „Hotel zur Eiche“ eine sehr gut besuchte Diskussionsveranstaltung zum Thema „Umbenennung der Farina- und Seebohmstraße“ durchzuführen. Peter Asmussen (Vereinigung er Verfolgten des Naziregimes), Dr. Manfred Sohn (Vorsitzender der Fraktion der Linken im Landtag), Dr. Reimer Egge (Stadtarchiv der Stadt Uelzen) und Karin Herrmann (Stadträtin der Grünen) begründeten – unter der Diskussionsleitung von Thomas Martin (NDR, Landesfunkhaus Niedersachsen) – mit überzeugenden Argumenten die notwendige Umbenennung der Straßen. Peter Asmussen zitierte aus bisher nicht bekannten Gestapo-Akten, die belegen, dass Farina viel tiefer in das Nazi-Unrecht verwickelt war, als bisher angenommen. Bei der Ermordung eines polnischen Zwangsarbeiters vor den Augen seiner ebenfalls zwangsverpflichteten Landsleute hatte Farina mit seiner Uelzener Polizei im Januar 1943 logistische Unterstützung gegeben. Auch die unsägliche Rolle von Hans-Christoph Seebohm wurde diskutiert und von Eckehard Niemann ergänzend dokumentiert.
Die Grußbotschaften prominenter Bürger (Rolf Becker, Prof. Lea Rosh, Peggy Parnass und Esther Bejarano) rundeten das positive Bild der Veranstaltung ab.
Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Uelzen die Anregung des Sprechers der Initiative, Friedhelm Klinkhammer, aufgreift und den Tag der Befreiung zukünftig in ähnlichem Rahmen wie den 9. November (Pogromnacht) begeht.







