Die “AZ”: Hofberichterstattung aus der Provinz
Das, was die Koalition als Gesundheitsreform verkauft, gleicht in Wirklichkeit einer Revolution: Alle künftigen Ausgabensteigerungen müssen allein die Arbeitnehmer und Steuerzahler berappen – per Rösler-Prämie. Sozialabbau total, das Gegenteil vom Wahlversprechen “Mehr Netto vom Brutto”.
Und wer regt sich darüber auf? Die Medien, die sich sonst über gebrochene Wahlversprechen (Ypsilanti) voller Empörung die Finger fast kaputt schreiben, sind auffallend ruhig. Natürlich, kann man sagen, denn auch die Konzernherren in den Führungsetagen der Medien profitieren vom Rösler-Coup: Weniger Ausgaben für die Gesundheit ihrer Beschäftigten bedeuten höheren Profit für sie selbst.
Unsere Regionalzeitung die “Allgemeine Zeitung” macht da keine Ausnahme. Mit – aus unserer Sicht – geschickter Manipulation versucht sie, die Information über den neuen Sozialkahlschlag der Regierung zu relativieren und von Kritik frei zu halten :
Unter der Headline “Rösler feiert Punktsieg” veröffentlicht sie – wie verschiedene andere deutsche Tageszeitungen auch- einen (informativen) Beitrag des dpa-Journalisten Basil Wegener, der im wesentlichen die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen von CDU und FDP wiedergibt.
Der beschönigende Aufmacher der AZ und das Bild Röslers mit der Bildzeile “Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sieht sich gestärkt,” lenkt von der fatalen Nachricht ab, dass die unteren Einkommensbezieher nach den Hartz IV-Kürzungen nun auch noch das Loch der Krankenversicherungen stopfen müssen. Beide Informations-Elemente vermitteln den Eindruck, als habe die Regierung irgendetwas Positives bzw. Verdienstvolles angerührt, sozusagen: Desinformation im Interesse der Reichen und Vermögenden.
Dass es sich um eine bewusste Manipulation der AZ handelt, wird daran deutlich, dass die Headline des Beitrages in anderen Zeitungen mit einem wichtigen Zusatz “Punktsieg für Rösler – doch Versicherte zahlen drauf” ergänzt war und im Gegensatz zur AZ auch der letzte Absatz des Wegener-Artikels woanders Erwähnung fand. Der lautet:
“Doch ob die Rechnung aufgeht und die Zusatzbeiträge in den nächsten Jahren wirklich nur moderat steigen, bleibt offen. Eine Großreform gegen künftige Kostenexplosionen im Gesundheitswesen beinhaltet der Kompromiss nicht. Selbst die Kassen zeigen sich enttäuscht, obwohl sie künftig so viel Geld verlangen dürfen wie sie wollen. Die Chefin ihres Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, sagt trocken: „Insgesamt wäre mehr drin gewesen.“
Ersetzt wurde dieser letzte Absatz stattdessen mit einer Lobeshymne der “AZ” auf die Kanzlerin:
” Sie hat es zumindest geschafft, einen Kompromiss ohne öffentliche Zurschaustellung von Feindschaft hinzubekommen”, schleimige Hofberichterstattung aus der Provinz.
Der Wegfall des Absatzes und die kritiklose Verkürzung der Überschrift im Vergleich zum originalen dpa-Artikel sind offensichtlich der Versuch einer schnöden Manipulation zugunsten von FDP und CDU. Es zeigt, wo viele Medien-Konzerne in Wirklichkeit stehen.
Wir stellen uns vor, in einer Zeitung der LINKEN würde ähnliches passieren. Die Gralshüter in unseren angeblich demokratisierten Medien würden sich bis zum Abwinken auskotzen.




