Uelzen

Provinz – Affäre

01. Mai 2009  Aktuell, Uelzen

rathaus

Teppe: Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Nach dem Aufdecken des Skandals um den CDU-Fraktionschef Christian Teppe durch die „Allgemeine Zeitung“ (AZ) war es in den Reihen Rathausparteien CDU und SPD trotz offener Fragen still geworden.

„Im Interesse eines vertrauensvollen Umgangs mit allen Geschäftspartnern wolle man Stillschweigen wahren“, ließ der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Manfred Daum (SPD) verlauten. Es schien, als gelänge es, die Angelegenheit durch Schweigen auszusitzen.

Aber wie so oft in den letzten Jahren: Nicht die Politiker oder die Medien sind es, die für Transparenz und Rechtstaatlichkeit im politischen Verantwortungsrahmen sorgen, sondern die Justiz hat diese Aufgabe übernommen. Viele wichtige Urteile der höchsten deutschen Gerichte sind ein hinreichender Beleg für diese Unkultur der Politik. Diesmal ist es die für Korruption zuständige Verdener Staatsanwaltschaft, die die Vorgänge um Christian Teppe nicht auf sich beruhen lassen will. Vier richterlich genehmigte Durchsuchungen – u.a. in den Anwaltsräumen Teppes – sollen den Anfangsverdacht der strafbaren Vorteilsnahme klären helfen. Teppe selbst lässt sein Amt als CDU-Fraktionschef derzeit ruhen.

Peinlich das Verhalten des SPD-Bürgermeisters Otto Lukat.

In einem Interview mit der AZ beklagte er, dass die staatsanwaltlichen Aktionen zu einer Rufschädigung Teppes geführt hätten, so als wenn der Verdächtige ein reines Unschuldslamm vom Lande ist und nichts zur eigenen Situation beigetragen hat. „Das ist für uns auch nicht alltäglich, schließlich genießen Anwälte einen besonderen Schutz.“ Er vergaß hinzuzufügen, dass gerade Anwälte auch besonderen Pflichten unterworfen sind.

Die offen zur Schau gestellte Parteinahme von kommunalen Spitzenpolitikern über Parteigrenzen hinweg, gibt einen Hinweis darauf, wie stark man untereinander verbandelt sein muss. Lukats Initiative zur Einführung von Transparenzrichtlinien war dann wohl auch eher ein öffentlich wirksames Ablenkungsmanöver.

Auf Nachfrage erklärte er, dass die gesetzlichen Grundlagen noch nicht ausreichten, seinen Vorschlag schon zu realisieren. Er erwarte aber demnächst eine Klärung.
Schon jetzt steht fest: Selbst wenn Christian Teppe mit einem blauen Auge davon kommen sollte, das Vertrauen in die Uelzener Politik ist durch die Affäre nachhaltig erschüttert.

Vetternwirtschaft in Uelzen?

04. März 2009  Aktuell, Uelzen

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SPD und CDU – Die Große Koalition des Schweigens

Es riecht in Uelzens politischen Kreisen nach Vetternwirtschaft.
Das bisherige Mitglied der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke – der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Teppe – war im Herbst vorigen Jahres von seinem Amt zurückgetreten, weil es offenkundig eine Verquickung zwischen Amt und persönlichen Interessen gegeben hat.

In seiner Funktion als Rechtsanwalt soll er – so die einschlägigen Pressemeldungen – von den Stadtwerken Aufträge im Wert von mehreren zehntausend Euro im Jahr erhalten haben. Die Praxis bestand darin, das Mahnverfahren bei säumigen Kunden zunächst eigenständig über das Kundencenter der Stadtwerke abzuwickeln zu lassen und erst mit der Zustellung der vereinbarten Ratenzahlung den Kunden darüber zu informieren, dass die Ratenzahlung nunmehr über den Rechtsanwalt Christian Teppe abgewickelt werde und dieser Anwalt eine Gebühr vom Kunden kassiere.

Die Abgeordnete der Grünen Frau Ariane Schmäschke brachte es auf den Punkt: “Bürger, die ohnehin schon in finanziellen Schwierigkeiten stecken, obendrein noch mit schwerlich zu rechtfertigenden Anwaltsgebühren zu belasten, erweckt den Eindruck, man habe es mit Heuschrecken zu tun.”

Aber damit nicht genug:
Wie den Berichten der „Allgemeinen Zeitung“ zu entnehmen ist, haben auch andere Politiker an Aufträgen der Stadtwerke partizipiert. Die verantwortlichen Politiker weigerten sich bisher, die Öffentlichkeit über Einzelheiten zu informieren. „Im Interesse eines vertrauensvollen Umgangs mit allen Geschäftspartnern wolle man Stillschweigen wahren”, ließ der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Manfred Daum (SPD) verlauten.my city

Diese „Große Koalition des Schweigens“ von CDU und SPD
lässt vermuten, dass die Verstrickung von Politik und persönlichen Interessen erheblicher ist, als man der Öffentlichkeit glauben machen will. Die fehlende Bereitschaft zur rückhaltlosen Aufklärung der Vorgänge disqualifiziert die großen Parteien. Gleichwohl gilt es als sicher, dass sie am 16.3. 2009 aus ihren Reihen den Nachfolger von Teppe bestimmen werden.
Erstaunlich ruhig ist die Berichterstattung der „Allgemeinen Zeitung“ geworden, so als habe man sich als vierte Gewalt (Kontrolle durch Öffentlichkeit) arrangierend ausgeklinkt.

Dem zurückgetretenen Stadtwerkspezialisten Christian Teppe hat sich ein neues Betätigungsfeld eröffnet. Am 22.2.2009 hat er im Anzeigenblatt „General-Anzeiger“ Rechtstipps zum Punkteabbau in Flensburg veröffentlicht. Wie heißt es doch in einer altväterlichen Weisheit? Das Fett will allzeit oben schwimmen……. …

Uelzener Volksvertreter

17. Februar 2009  Aktuell, Themen, Uelzen

stopp für kinder!

Dr. P. Struck und H. Otte stimmen gegen die Armen

Dr. Peter Struck (SPD) und Henning Otte (CDU) aus dem Wahlkreis Uelzen-Celle erwiesen sich in der letzten Bundestagssitzung als mitleidlose Gegner der Armen. Sie weigerten sich mit ihrem Stimmverhalten, die Situation von unterstützungsbedürftigen Kindern nennenswert zu verbessern. Seit Jahren ist bekannt, dass sich die Situation von Kindern aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen dramatisch verschlechtert haben und weiter zu verschlechtern drohen.

Norbert Struck, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, forderte im Vorjahr ein neues Konzept der Kindergrundsicherung. “2,64 Euro täglich für Essen und Trinken und monatlich 8,46 Euro für Bus und Bahn gehen am Existenzsicherungsbedarf auf groteske Weise vorbei”.

Auch das Bundessozialgericht ist der Auffassung, dass die bestehende Unterstützung für Kinder nach den maßgeblichen rechtlichen Vorschriften verfassungs- widrig ist.

Selbst die SPD (noch unter Kurt Beck) schien Skrupel wegen ihrer jahrelangen Sozialabbau-Politik bekommen zu haben.

Am 9.6.2008 hieß es im SPD-Parteivorstand: „Mit Sorge müssen wir feststellen, dass die Chancen eines Kindes auf Bildung, gesunde Entwicklung, Teilhabe und Selbstbestimmung immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängen. Das wollen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ändern. Unser Ziel sind gleiche und gute Lebensbedingungen für alle Kinder. Wir treten ein für Aufstieg und Gerechtigkeit. Wir wollen eine Gesellschaft gleicher Chancen – unabhängig von der sozialen Herkunft.“

In der Bundestagssitzung vom 13.2.09 hatte die SPD dann Gelegenheit, ihre Vorjahres-Vorstellungen zu realisieren. Mehr als ein peinlicher Flop kam dabei aber nicht heraus. Man will nun für 2009 einmalig einen Betrag von 100 € auskehren und eine Erhöhung der Regelleistungen für 6-13 jährige Kinder um rund 35 € gewähren. Kinder unter 6 und über 13 Jahre gehen leer aus. Fazit Eine moralisch-politische Bankrotterklärung, nach der milliardenschweren Unterstützung für kaputt gewirtschaftete Banken und Unternehmen (480 MRD € Unterstützung, das ist ein 110 km hoher Geldstapel aus 500 €-Noten !)

Die LINKE versuchte im Bundestag mit ihrem Antrag Anstand zu wahren. Sie forderte für Kinder bis 6 Jahren 276 € (bisher ca 211 €), für 7 bis 13 jährige 332 € (bisher 211 €) und für über 14 Jahre 358 € (bisher 281€).
Die Fraktion der Grünen stimmte diesem Antrag zu.