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Uelzen: Die Zocker – Quittung ist da

12. Juni 2010  Aktuell, Themen, Uelzen

Markwardt knallt die Hacken zusammen

Alles funktioniert. Erst werfen sie den Spekulanten und Banken hunderte Milliarden in den Rachen, dann sorgen sie dafür, dass die Bürger die Zeche begleichen. Das ist bei der CDU-Vorturnerin Angelika Merkel nicht anders, als im SPD-Otto-Fürstentum Uelzen. Sparen ist das Zauberwort. Vergessen ist inzwischen, dass unter dem Beifall einer aufgeputschten Öffentlichkeit die öffentlichen Kassen durch CDU, SPD und Grüne mit Steuergeschenken an die Reichen und Gutsituerten (und damit sich selbst) geplündert wurden, z.B. im Zusammenhang mit der Vermögenssteuer, der Herabsetzung der Einkommenssteuer für Hochverdienende oder der Senkung der Erbschaftssteuer. Auch im völlig verschuldeten Uelzen versuchte man übrigens in diesem Trend zu bleiben, als man eine Senkung der Jagdsteuer befürwortete.
Anstatt die Finanzaufsicht im Regen stehen zu lassen und diejenigen in CDU und SPD die Suppe auslöffeln zu lassen, die sie zusammengebrüht haben, läuft der neue Finanzchef Markwardt – in vorauseilendem Gehorsam – zu hoher Sparwut auf. Gekappt werden soll dort, wo alle Bürger betroffen sind, z.B. bei der Feuerwehr, im Straßenverkehr in den Schulen. Auch beim Personal wird der Rotstift angesetzt, wie nicht anders zu erwarten: im Bereich Kultur. Und wie es bei Sparkommissaren immer so ist: Bei anderen ist man konsquent, bei sich selber sieht das anders aus: Wir haben noch sehr gut in Erinnerung, dass gerade der Markwardt-Job außergewöhnlich hoch dotiert ist, diese Schräglage wird vermutlich beim Zweiten Bürgermeister keine Sparambitionen auslösen. Warum auch: Der im Kreis vertretene Landespolitiker – Herr Hilmer (CDU) – hat es ja dieser Tage vorgemacht, wie es mit dem persönlichen Vorbildverhalten aussieht: Er hat sich mit seinen Parteifreunden die Diäten um 7% erhöht, während die LINKE die Erhöhung geschlossen abgelehnt hat.

Die Schwächsten zahlen die Zeche der Zocker

07. Juni 2010  Aktuell, Themen

Schwarz-Gelb ohne Scham und Moral

Wegen der von den Banken verursachten Finanzmarkt- und Realwirtschaftskrise
sind die Staatsschulden und die Staatsdefizite in den letzten beiden Jahren dramatisch gestiegen. Wer soll dafür zahlen? Die Zocker und Profiteure? Die bleiben unangestastet.

Die Zeche zahlen wieder einmal die Schwächsten und die Ärmsten, natürlich.

So kennen wir dieses menschenverachtende, wir erlauben uns mal deutlich zu werden: Dreckssystem samt seiner politischen Bediensteten. Aber wir müssen uns nicht wundern: Diese Schweinereien waren bei den letzten Wahlen voraussehbar, und trotzdem wurden die schwarz-gelben Totengräber des Sozialstaates gewählt.

Den Rotstift ansetzen will die Koalition bei den Leistungen für Arbeitslose. So sollen die für zwei Jahre gezahlten Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II gestrichen werden. Bisher werden Alleinstehenden im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich gezahlt, im zweiten bis zu 80 Euro. Für Verheiratete gibt es maximal das Doppelte.

Hartz-IV-Empfängern soll das Elterngeld komplett gestrichen werden. Ihr Grundbedarf – so die zynische Begründung – sei bereits durch die Regelsätze der staatlichen Hilfen und durch Zusatzleistungen gesichert. Auch der aus Steuergeldern bezahlte Rentenversicherungsbeitrag für Langzeitarbeitslose soll entfallen. Grundsätzlich will die Koalition Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umwandeln – etwa bei Eingliederungshilfen für Jobsuchende. Dies soll den Anreiz zur Annahme einer Arbeit erhöhen (obwohl es keine Arbeit gibt) . Damit wird der bestehenden Willkür gegenüber den Armen weiter Tür und Tor geöffnet. Zwei Milliarden Euro soll dieser erneute Sozial-Raub bei den Schwächsten des Landes bringen.

500 Millionen Euro soll Familienministerin Kristina Schröder (CDU) beim Elterngeld einsparen. Die Bemessungsgrundlage zu dessen Berechnung soll von derzeit 2700 auf 1800 Euro zurückgenommen werden.

Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger soll wegfallen (die können gefälligst frieren).

Die Zahl der Bundesbeschäftigten soll bis 2014 um bis zu 15.000 Stellen sinken. Damit treibt die Regierung die Arbeitslosigkeit selbst weiter nach oben. Die für das kommende Jahr geplante Besoldungserhöhung für Bundesbeamte soll ausfallen. Laut dpa müssen Bundesbeamte sogar mit einer Kürzung ihrer Bezüge um 2,5 Prozent rechnen. Dies soll durch den Verzicht auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes für Beamte im Jahr 2011 erreicht werden.

CDU-Personaltableau ist erschöpft

02. Juni 2010  Aktuell, Themen, Uelzen

Wird Frau von der Leyen Bundespräsidentin?

Es passt zu den aktuellen bundesrepublikanischen Verhältnissen: Frau Merkel hat für das Amt des Bundespräsidenten/ der Bundespräsidentin die Wahl zwischen ihrem CDU- Spenden-Spezi Schäuble und ihrer Verwaltungsspezialistin für Zwangsarbeit, Frau von der Leyen, sonst scheint es auf dem Unions-Personal-Tableau nichts Brauchbares mehr zu geben.

Ein trauriger Zustand für die Union und ein Bild dafür, wie die politische Klasse das Land heruntergewirtschaftet hat. Über Schäuble müssen wir kein Wort mehr verlieren. Aber von der Leyen, die Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht? Kann sie wirklich Präsidentin aller Bürger sein?
Wohl eher für die gutsituierten, nicht aber für die, die es nötig hätten, diejenigen, die zum unteren Drittel der Gesellschaft zählen.

Mit denen hatte die CDU-Frau was Besonderes vor. Lächelnd wie immer hatte sie erst vor ein paar Tagen angekündigt, etwas für die Stärkung der “Bürgerarbeit” tun zu wollen:
Für über 50-jährige Hartz-IV-EmpfängerInnen bedeutet das im Klartext: Laubfegen, Straßen schrubben, Vorlesen im Altersheim. Das ist nichts weiter als eine Ausweitung der Zwangsarbeit, wie wir sie schon von den Ein-Euro-Jobs kennen. Zudem sollen bei den Alleinerziehenden die Daumenschrauben angelegt und diese verstärkt zu Billigjobs verdonnert werden. Und alle 15-25 jährigen Erwerbslosen sollen gezwungen werden, bereits innerhalb von sechs Wochen jedes Arbeits-, Aus- und Fortbildungsangebot anzunehmen – sonst werden Leistungen gekürzt.
Aus der Sicht der zukünftigen Präsidentin werden damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wird Lohndumping weiter gefördert. Zweitens werden die Statistiken geschönt.

Merke: Nett lächeln, reicht heute schon aus, um Bundespräsidentin zu werden, als fachliche Qualifikation ist allerdings wichtig, dass man im Kampf gegen die Schwachen der Gesellschaft über entsprechende Verdienste verfügt

Medienspektakel in Uelzen

28. Mai 2010  Aktuell, Themen, Uelzen

Die “Zeugen der Anklage”

Es ist fast schon eine Provinz-Posse, die da abläuft.
Nachdem die Uelzener Stadtwerke versuchten, in einem rückständigen und bedauernswerten Land wie die Ukraine als Goldschürfer und Globalplayer den großen Coup zu landen, hat nun das große Zittern und Rechnen begonnen. Gutachten und Gegengutachten werden auf den Tisch geknallt, um zu belegen, ob oder ob nicht mit Millionen-Verlusten der Stromkunden zu rechnen ist. Der Steuerzahlerbund, ein Gegengutachter und die Grünen werden von der lokalen Presse unter der bewährten Regie von Thomas Mitzlaff als Zeugen der Anklage in Positur gebracht.

Herr Rolf Kuchenbuch, Multifunktionär, ist Professor an der Uni Rostock und zugleich auch Direktor an einem Institut, das gegen Kasse Untersuchungen und Analysen fertigt. Außerdem betätigt er sich als CDU-Abgeordneter in seinen heimischen Gefilden (“Nachtigall ich hör dir trapsen”). Und der Steuerzahler-”Experte” Bernhard Zentgraf: Der fiel im vorigen Jahr mit seiner Forderung auf, “wegen des Einkommensvorsprungs” den Rentnern und Beamten die Alterseinkünfte zu kürzen. Auch soll er sich schon einmal darüber gejammert haben, dass die Stadt Göttingen eine eifrige Leserin als Spitzenausleiherin der Bücherei geehrt hatte. “Dies setzt eindeutig falsche Signale”, soll es in einem Schreiben an Stadtrat Wolfgang Meyer (SPD) heißen. “Sie animiert diejenigen, die die Stadtbibliothek ohnehin bereits nutzen, zu einer (noch) intensiveren Nutzung, sollen Bürgerinnen und Bürger künftig mehrere Bücher am Tag lesen, und will die Stadt Göttingen dafür die entsprechenden personellen und sachlichen Kapazitäten schaffen?”, will der wackere Recke Bernhard wissen. Bravouröser Sachverstand im Uelzen-Skandal.
Und Frau Frau Schmäschke von den Uelzener Grünen? Die meldet sich als Stadträtin immer erst dann, wenn etwas in den Brunnen gefallen ist, aber dann umso lauter und passionierter. Mit diesen “Zeugen der Anklage” wird dann Meinung gemacht. Das sieht aufklärerisch aus, ist aber desorientierend und effekt-heischend.

Fest steht doch, dass der bisherige Kritik-Ansatz über die Ukraine-Geschäfte viel zu kurz gegriffen ist. Es reicht nicht aus, dass nur die dilletantische Vorgehensweise und die daraus resultierende drohende Pleite der jammervollen Uelzener Akteure kritisiert werden. Viel wichtiger ist es, die Moral zu beleuchten, die hier zum Ausdruck kommt: In einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen 300 € beträgt, will man noch profitable Geschäfte machen.
Ausbeutung nennt man das. Knapp 70 Jahre nach dem brutalen Überfall der Deutschen auf die Ukraine, die schon damals heiß begehrte “Kornkammer” Osteuropas.

Beobachtungen einer Ex-Grünen

28. Mai 2010  Aktuell, Partei, Themen

Heute ist Establishment – Ein Kommentar

Nun hatten sich SPD und Grüne – Hand in Hand – doch noch dazu durchgerungen, eine Regierungskoalition mit der Linken zu versuchen. Und wie es sich gehört, sollen dem “Neuling” sogleich die Grenzen aufgezeigt werden: Wer im Westen mitregieren will, solle doch erst einmal darlegen, wie er es mit der ehemaligen DDR halte.

Was dies mit der Arbeit einer Landesregierung zu tun haben soll, ist nicht ersichtlich. Dabei geht es hier darum, dass das Land Nordrhein-Westfalen regiert werden muss. Den Bürgerinnen und Bürgern brennen andere Sorgen unter den Nägeln. Jetzt geht es darum, dass die Fehler der Rot-Grünen Koalition in Bund und Land, und die Folgen der Schwarz-Gelben Koalition, zusammen mit den Linken behoben werden.

Ich kann verstehen, dass es für die SPD schmerzlich ist, erfahren zu haben, dass die Arbeitnehmerschaft nicht mehr hinter ihr steht. Noch schmerzlicher ist es zu erfahren, dass eine andere Partei diese Lücke geschlossen hat. Aber dies muss die SPD selber aufarbeiten und kann nicht den Linken den Vorwurf machen, den Platz eingenommen zu haben, den sie geräumt hat. In solch einer Situation von einer Partei zu verlangen, dass sie ihr Verhältnis zur DDR darstellt, ist platte PR-Propaganda. Und es steht erst recht den Grünen nicht gut zu Gesicht, die Linken wie Schmuddelkinder zu behandeln. Aber offensichtlich hat man seine eigene Vergangenheit über Mitregieren und Ministerämter vergessen. Ich will gerne die Erinnerung wachrufen.

Als Gründungsmitglied der Grünen habe ich erlebt, wie uns an den Infoständen zugerufen wurde: “Geht doch nach drüben!” Die Presse hat uns entweder verschwiegen oder sie hat in den Lebensläufen von Mitgliedern nach angeblichen Auffälligkeiten gesucht. Der Verfassungsschutz beobachtete uns. Die Grünen wurden damals genauso behandelt wie die Linke heute. Joschka Fischer war der Steinewerfer und Otto Schily der RAF-Anwalt. Die Grünen sollten der Gewalt abschwören, zu der es bei Demonstrationen der Anti-AKW-Bewegung kam.

Die Realos, die wie Joschka Fischer und Otto Schily, in erster Linie ihre Karriere vor Augen hatten, haben sich 89/90 “putschartig” ihres linken Flügels entledigt, da er ihren Plänen im Wege war. Dass die Grünen in ihrer ersten Fraktion, der ich übrigens angehörte, einen IM in ihren Reihen hatte, wurde nie großartig diskutiert. Dass Antje Vollmer seinen Kurs unterstützte, hat nach seiner Enttarnung niemanden mehr interessiert. Eine Aufarbeitung fand nie statt. Stattdessen wurde Antje Vollmer Bundestagsvizepräsidentin.

Dass ausgerechnet die Grünen sich nun in Vorverurteilungen ergehen und erst einmal das Verhältnis der Linken zur DDR geklärt wissen wollen, erinnert fatal an ihre eigenen Anfänge. Damals hat man sich allerdings gegen ähnliche Angriffe verwahrt. Heute will man an die damaligen Angriffe nicht mehr gerne erinnert werden. So verwehrt man auf Partei- und Fraktionsjubiläen ehemaligen Vorstands- und Fraktionsmitgliedern das Rederecht. Die “Jubelperser” wollen unter sich bleiben. Und da stören Erinnerungen an Zeiten, die man nur zu gerne hinter sich gelassen hat.

Wir aber sind die alten Zeiten, und wir haben die Partei nicht dafür initiiert, damit heute Rechtsliberale sie ausschlachten und sich am Ofen des Wohlstandes wärmen. Unsere Zielsetzung war und ist eine soziale und solidarische Gemeinschaft und Gesellschaft. Eine Gesellschaft der Stabilität und der Verantwortung, die ihre Sozialsysteme nicht einfach an raffgierige und kurzsichtige Wirtschaftsakteure verrät, die nur ihren persönlichen Profit in den Vordergrund stellen. Wer sich an solche Egomanen verkauft und sie die Gesetze mitschreiben lässt, um eine ihnen nützliche Ellbogengesellschaft zu entwerfen, hat nicht unsere Unterstützung.
Vor dem Hintergrund, dass die Grünen sich einmal als Partei der Bewegungen verstanden und ihre Wahlerfolge diesen Bewegungen zu verdanken hatten, sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass keine Bewegung eine Partei wählt, die sich beliebig mit einer SPD “oder” CDU in einer Koalition sehen kann. Die “Bewegungen” sind jedenfalls nicht mehr die Wählerschaft der Grünen. Da haben sie die Linken mit links überholt.

Marita Wagner, Ratsmitglied in Gronau und Vorsitzende
des Sozialausschusses im Stadtrat für Die Linke, Mitgründerin der Grünen (ausgetreten 1990), Eintritt in Die Linke 2008