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Die SPD kämpft gegen ihre Hartz IV-Gesetze

26. Juli 2009  Aktuell, Themen

SPD-nobodyDer SPD-Opportunismus treibt neue Blüten


Ein neues Beispiel opportunistischer Wandlungsfähigkeit der SPD kam dieser Tage vom Arbeitsminister Olaf Scholz. Er verlangt nun kurz vor Ablauf der Wahlperiode die Erhöhung des Schonvermögens für Arbeitslose. Bisher dürfen Langzeitarbeitslose und ihre Lebenspartner 250 Euro pro Lebensjahr besitzen, ohne dass sich dadurch das Arbeitslosengeld verringert. Insgesamt beträgt die Freigrenze für die private Altersvorsorge 16 250 Euro. Diese Höchstgrenze will die SPD nun aufheben.

DIE LINKE zu diesem Vorstoß: “Der Vorschlag von Olaf Scholz ist ein Wahlkampfgag und unglaubwürdig”, Noch Anfang Juli hatte die SPD im Bundestag gegen eine Erhöhung der Freibetragsgrenzen gestimmt. Ein entsprechender Antrag der LINKEN war abgelehnt worden. Die Begründung der Sozialdemokraten vor ein paar Wochen: „Der vorliegende Antrag der LINKEN wird seinem Anliegen und der Ausführung in keiner Weise gerecht. Die Fraktion der SPD werde ihn daher ablehnen.“

Auch im Jahr 2007 hatte Scholz sich bereits gegen eine Erhöhung des Schonvermögens ausgesprochen. Sein nun vollzogener Sinneswandel ist sicherlich ein Ausdruck der Angst, noch mehr Stimmen bei den Wahlen zu verlieren.

Aber auch DIE GRÜNEN lehnten den Antrag der LINKEN ab.

Trotzdem meinen sie jetzt: “Olaf Scholz steht am Last-Minute-Schalter und will in den letzten Tagen der Wahlperiode erreichen, was er jahrelang nicht auf die Reihe bekommen hat.” Angesichts der schlechten Umfragewerte für die SPD “verspricht Scholz lauter Sachen, die er längst hätte regeln können”, kritisierten sie.

Wir hätten es gern gesehen, wenn auch die GRÜNEN sich größerer sozialer Verantwortung verpflichtet gefühlt hätten, sozusagen mit uns LINKEN die Ersten am Ticket-Schalter gewesen wären. Aber es ist Wahlkampf, in zwei Monaten wird alles vergessen sein.

Interessant auch die fast gleichgeschaltete Presse: Es findet sich nirgendwo der Hinweis, dass es allein DIE LINKE ist, die das Thema seit Jahren im Bundestag zur Sprache bringt, aber ständig von den anderen Parteien abgebügelt wird.

Dumpinglohn – ein Werk der SPD

05. Juli 2009  Aktuell, Themen

mindestlohn

Das kurze Gedächtnis eines Vorsitzenden

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat die Union aufgefordert, noch vor der Bundestagswahl den Weg für einen Mindestlohn in der Zeitarbeit frei zu machen. Es sei “überhaupt nicht einzusehen”, wieso Leiharbeiter “dramatisch niedrige Löhne in Deutschland bekommen sollen”, sagte Müntefering kürzlich im Deutschlandfunk.

Dass nun gerade Müntefering und seine SPD vom Mindestlohn zu reden wagen, ist ein besonderer Beleg sozialdemokratischer Unglaubwürdigkeit.

Wir haben in den Bundestagsprotokollen geblättert, die sprechen eine deutliche Sprache.

Tatsache ist, dass die SPD und die Grünen im Rahmen der Schröderschen Agenda 2010 vor fünf Jahren das erniedrigende und weitverbreitete Lohndumping überhaupt erst eingeführt haben. Und das in vollem Bewußtsein der Folgen.

In der Bundestagssitzung vom 17.10.2003 sicherte das damalige SPD-Mitglied Wolfgang Clement noch großspurig zu: „Die Frage der Zumutbarkeit von Arbeit muss sich selbstverständlich im Rahmen tariflicher Regelungen, die in Deutschland gelten, bewegen. Soweit es keine tarifliche Regelung gibt, muss sich das Entgelt im Rahmen des ortsüblichen Entgelts bewegen. Niemand will – dazu zählt selbstverständlich auch die Bundesregierung – dass Lohndumping gefördert wird.“

Und die Grünen-Sprecherin Thea Dückert in der Debatte – an den Ministerpräsidenten Koch des Landes Hessen gewandt: „Ich war wirklich erstaunt, wie überzeugt Sie davon offenbar sind –, dass es Sinn macht, in Deutschland Dumpinglöhne zu zahlen. Sie bieten den Erwerbslosen eine Leistung unterhalb des Existenzminimums an – das ist übrigens für jeden ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht –, die sie nur dann auf das Niveau des Existenzminimums aufstocken können, wenn sie irgendeine Arbeit annehmen. Meine Damen und Herren, das Sozialstaatsgebot des deutschen Grundgesetzes in Wisconsin zu vergraben – das ist Ihr Ansatz.“

Zwei Monate später waren Sozialstaatsgebot und die sonstigen sozialen Schwüre vergessen: Alle Parteien im Bundestag – mit Ausnahme der linken Abgeordneten – wählten den freien Fall der Löhne für Deutschland. Der Schutz gegen Lohndumping, der Bezug auf das „ortsübliche Entgelt“, wurde aus den Gesetzesentwürfen gestrichen, natürlich auch mit Unterstützung des Uelzener SPD Abgeordneten Dr. Peter Struck.

Das Ergebnis dieses SPD-Coups ist nachhaltig bekannt: Millionen Menschen müssen für Hungerlöhne schuften, um sich gerade so über Wasser zu halten, immer in Konkurrenz gegen noch schlechter bezahlte Leidensgenossen.mindestlohn

SPD-Boss Müntefering lag schon 2003 mit seiner Analyse voll daneben: „Die Agenda 2010 beginnt. Damit bekommt die politische Erneuerung unseres Landes Richtung und Tempo. Richtung heißt: Wir sorgen mit diesen Gesetzen dafür, dass die Substanz des Sozialstaates gesichert und der Wohlstand in diesem Lande dauerhaft garantiert bleibt.“

Petra Pau, heute für DIE LINKE im Bundestag, sah schon damals alles viel treffender:
„Die asoziale Reform des Arbeitsmarktes folgt der Legende: Man müsse die Sozialhilfeempfänger nur aus ihrer Hängematte kippen und den Arbeitslosen Beine machen, dann komme ein neues Wirtschaftswunder. Wir alle wissen: Das ist Unsinn. Aber der Unsinn ist bei Ihnen – wider alle soziale und wirtschaftliche Vernunft – Programm.“

Uelzener Volksvertreter

17. Februar 2009  Aktuell, Themen, Uelzen

stopp für kinder!

Dr. P. Struck und H. Otte stimmen gegen die Armen

Dr. Peter Struck (SPD) und Henning Otte (CDU) aus dem Wahlkreis Uelzen-Celle erwiesen sich in der letzten Bundestagssitzung als mitleidlose Gegner der Armen. Sie weigerten sich mit ihrem Stimmverhalten, die Situation von unterstützungsbedürftigen Kindern nennenswert zu verbessern. Seit Jahren ist bekannt, dass sich die Situation von Kindern aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen dramatisch verschlechtert haben und weiter zu verschlechtern drohen.

Norbert Struck, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, forderte im Vorjahr ein neues Konzept der Kindergrundsicherung. “2,64 Euro täglich für Essen und Trinken und monatlich 8,46 Euro für Bus und Bahn gehen am Existenzsicherungsbedarf auf groteske Weise vorbei”.

Auch das Bundessozialgericht ist der Auffassung, dass die bestehende Unterstützung für Kinder nach den maßgeblichen rechtlichen Vorschriften verfassungs- widrig ist.

Selbst die SPD (noch unter Kurt Beck) schien Skrupel wegen ihrer jahrelangen Sozialabbau-Politik bekommen zu haben.

Am 9.6.2008 hieß es im SPD-Parteivorstand: „Mit Sorge müssen wir feststellen, dass die Chancen eines Kindes auf Bildung, gesunde Entwicklung, Teilhabe und Selbstbestimmung immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängen. Das wollen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ändern. Unser Ziel sind gleiche und gute Lebensbedingungen für alle Kinder. Wir treten ein für Aufstieg und Gerechtigkeit. Wir wollen eine Gesellschaft gleicher Chancen – unabhängig von der sozialen Herkunft.“

In der Bundestagssitzung vom 13.2.09 hatte die SPD dann Gelegenheit, ihre Vorjahres-Vorstellungen zu realisieren. Mehr als ein peinlicher Flop kam dabei aber nicht heraus. Man will nun für 2009 einmalig einen Betrag von 100 € auskehren und eine Erhöhung der Regelleistungen für 6-13 jährige Kinder um rund 35 € gewähren. Kinder unter 6 und über 13 Jahre gehen leer aus. Fazit Eine moralisch-politische Bankrotterklärung, nach der milliardenschweren Unterstützung für kaputt gewirtschaftete Banken und Unternehmen (480 MRD € Unterstützung, das ist ein 110 km hoher Geldstapel aus 500 €-Noten !)

Die LINKE versuchte im Bundestag mit ihrem Antrag Anstand zu wahren. Sie forderte für Kinder bis 6 Jahren 276 € (bisher ca 211 €), für 7 bis 13 jährige 332 € (bisher 211 €) und für über 14 Jahre 358 € (bisher 281€).
Die Fraktion der Grünen stimmte diesem Antrag zu.